30 Jahre Abitur

Alles eine Sache der Wiedererkennung

1980er Abiturienten auf der Suche nach Altbekannten(m)

Am Wochenende vom 18. bis zum 20. Juni 2010 trafen sich 55 Abiturienten des Jahrgangs 1980 zu einer drei Tage dauernden Feier. Anlass war – man ahnt es schon – die vor 30 Jahren erlangte Hochschulreife. Klaus Anhäuser, Initiator von bis dahin bereits zahlreichen Jubiläumstreffen im Fünfjahresrhythmus, schaffte es auch diesmal wieder, fast alle Kontakte zu mobilisieren. Ob aus dem Ebsdorfergrund, der Bundeshauptstadt oder gar Griechenland – nach zeitweise mühevoller Recherche waren die meisten ehemaligen Philippinum-Schüler hocherfreut über die Einladung und reisten an.

Bereits beim Warm up am Freitagabend in der „Gaststätte am Spiegelslust“ trafen sich 18 der ehemaligen Schulkameraden.  Christiane Strack setzte sich frontal mit Blick zur Tür. Schließlich ist der spannendste Moment das Wiedererkennen der „alten“ Gesichter, sobald sie den Raum betreten.

Aus Janes Clique waren die meisten, wie Nine und Tine, sofort identifizierbar. Dennoch, bei einer dunkelhaarigen Person kam bei einigen die Frage auf, wer das denn sei. Im Laufe des Abends ließ sich das glücklicherweise aufklären. Es war Beatrice Plamper, früher bekannt als Trixi, die öfter mal in den Pausen bei Zeckey und Strecker an den Mopeds stand.  Als besonderer Gast erschien der ehemalige Hausmeister Hans Albrecht, allen bekannt durch seine berüchtigten Eingriffe in verbotene Ballspiele.

Nachdem der erste Abend „erst“ um 1 Uhr geendet hatte, trafen sich einige der Runde schon am Samstag um 10 Uhr zum Sport in der Phille-Halle: Nikolai Keller, Mathias Vey, Andreas König, Christian Kern und Klaus Anhäuser. Marcel Mönich kam ohne Sportklamotten, machte aber barfuß mit. Christine Beyer und Brigitte Berger avancierten zu Schiedsrichterinnen für Basketball und Fußball. In den Umkleideräumen kamen die ersten Bierchen zur Auflockerung in Umlauf.

Um 12 Uhr setzte sich das Programm nahtlos fort mit einer interessanten Führung durch die Schule mit Direktor Stein. Er berichtete über die heutigen Gegebenheiten des Gymnasium Philippinum. Nicht wiederzuerkennen: die aktuell guten Quoten und Notendurchschnitte. Die alte Pausenhalle, die mittlerweile komplett umgebaut wurde, lies die mittlerweile wieder zu 25 Teilnehmern angewachsene Gruppe mit Wehmut an die Zeiten der 70er Jahre denken. Ebenso einige andere Räume, wie das alte Lehrerzimmer und der Biologiesaal, hatten noch einen großen Wiedererkennungswert, allem voraus ein Bild, das noch immer in einem Klassenraum hängt. Auch Hans Albrecht fand viel Spaß an den ausgetauschten Erinnerungen, bevor er sich nach der Schulführung ins Wochenende von der Runde verabschiedete.

Nach einer kurzen Pause näherte sich das Wochenende seinem Höhepunkt, dem Treffen auf dem Frauenberg. Am Nachmittag sollte ein Get Together mit den ehemaligen Lehrern stattfinden. Die Lehrer wurden für 15 Uhr, die Schüler für 16 Uhr eingeladen. Ob dies die eine Panne oder vielleicht doch eine kleine Genugtuung für endlich einmal legitimiertes Zuspätkommen war, sei dahin gestellt.  Herr Engelhardt, ehemaliger Erdkunde-Lehrer, bekam das Missverständnis als erster gleich um 15 Uhr zu spüren. Herr Bitsch (Latein), Herr Guth und Frau Hopf, Frau Keller, Frau Kohl, Herr Kraschewski sowie Herr Kahnwald kamen – wie die meisten Schüler – später, und freuten sich letztendlich doch, so viele Absolventen des 1980er Jahrganges zu sehen. Wenn auch Unterhaltungen zwischen Lehrern und Schülern geführt wurden, die sich noch nie zuvor begegnet waren.

Am Samstagabend schließlich erreichte die Teilnehmerzahl den Gipfel von 55 Personen. Von 75 Abiturienten sind dies immerhin 73 %. Viele hatten sich länger als fünf, 10 oder gar 20 Jahre nicht gesehen. In teilweise abenteuerlichen Geschichten von früher holte man Erinnerungen hervor und ordnete Personen ihren Rollen zu. „Das war doch die, die immer so …. und damals hinten in der Pausenhalle….“ „Genau! Hähähä…“ Entsprechend schnell steigerte sich die Stimmung. Ab 19 Uhr wurde bei warmem Buffet und kalten Getränken nebst Dia-Show mit zunehmender Lautstärke geplaudert. Historische Fotos und Dias aus allen Schuljahren sowie Live Musik, die von der Hochzeitsfeier des benachbarten Saals herüberschwappte, untermalten die Szenerie. Zu den umtriebigen Gestalten, die zwischen Tischen, Buffet und „Raucherlounge“ auf der Terrasse pendelten, kommentierte Klaus Anhäuser: „Man geht miteinander um wie früher, wie eigentlich immer, als hätte man sich nur ein paar Tage nicht gesehen.“ Und wie schon zu Schulzeiten wurde gefeiert bis  gegen 4 Uhr morgens. So spät – bzw. früh – hatte ein Abend bei vielen schon lange nicht mehr geendet. Die beiden letzten Feiermäuse, Klaus Anhäuser und Tine Beyer, erfreuten sich an Vogelgezwitscher und dem Morgen“blauen“ über der Stadt Marburg.

Doch dem nicht genug: Am Sonntag ab 11 Uhr luden Frau Keller und Nikolai zum Ausklangsbrunch. Dafür waren nicht nur die Frühaufsteher dankbar, sondern auch diejenigen, die erst um 13 Uhr hungrig und verkatert auftauchten. An einem liebevoll zubereiteten Buffet von exquisten Käsesorten, unter anderem der Selbstgemachte von Jule Damminger aus Neubrandenburg, Lachs, Salaten und anderen schönen Dingen wurde noch bis zum Nachmittag geschlemmt. Die kleine Abschlussrunde kam dann auf die Idee, dass man doch im nächsten Jahr die 50. Geburtstage irgendwo gemeinsam feiern solle. Und da es bei Juliane Damminger so schön sein soll, sind die Planungen für die Reise gen Nordwestuckermark bereits in vollem Gange…

Nach und nach verabschiedeten sich diejenigen, die noch eine weite Reise vor sich hatten. So auch eine hier nicht namentlich genannte Schulfreundin von Nikolai, die es sich zum Abschied nicht nehmen ließ, noch einen Blick auf die Kellersche Erdgeschoss-Toilette zu werfen. Dort, wo früher ein Plakat von „Frank Zappa auf Toilette“ hing, gähnte sanitäre Sauberkeit. Wenigstens das keramische Teil sah dem Original nicht unähnlich. Alles eben eine Sache der Wiedererkennung.

Text: Renate Freiling

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